llms.txt: bringt das was?
Eine Datei, die der KI erklärt, wer Sie sind. Klingt gut. Wird nach den vorliegenden Daten kaum abgerufen. Was statt dessen zählt.
Immer wenn ein neuer Kanal auftaucht, entsteht dazu eine Industrie, die Abkürzungen verkauft. Bei der KI-Suche ist es gerade so weit.
Dieser Artikel geht die häufigsten Versprechen durch und fragt bei jedem dasselbe: Was ist belegt, und was ist eine Behauptung?
llms.txt
Das Versprechen: Eine Textdatei auf Ihrer Website, die KI-Systemen in kompakter Form sagt, worum es auf der Seite geht. Damit werde Ihre Seite für KIs lesbar.
Was dran ist: Die Idee ist nicht dumm. Es gibt ein Vorbild, nämlich robots.txt, und das funktioniert seit dreißig Jahren. Eine Datei mit klaren Angaben schadet auch niemandem.
Das Problem: Ein Standard funktioniert nur, wenn ihn jemand liest. Untersuchungen zu einer großen Zahl von Domains mit llms.txt-Dateien zeigen, dass diese Dateien so gut wie nie abgerufen werden. Kein Abruf heißt keine Wirkung, egal wie gut die Datei ist.
Unser Urteil: Wenn Ihnen jemand llms.txt als Kern seines Angebots verkauft, verkauft er Ihnen eine halbe Stunde Arbeit als Strategie. Die Datei anzulegen kostet nichts und schadet nicht. Sie ist nur kein Hebel.
Wir legen sie deshalb nicht an. Nicht weil sie schädlich wäre, sondern weil wir nichts in eine Rechnung schreiben, das nach den vorliegenden Daten nichts bringt.
Strukturierte Daten
Das Versprechen: Maschinenlesbare Auszeichnung im Quelltext Ihrer Website, die sagt: Das hier ist ein Betrieb, das ist die Adresse, das sind die Öffnungszeiten.
Was dran ist: Hier ist die Sache anders als bei llms.txt. Strukturierte Daten werden nachweislich gelesen, seit Jahren, von Suchmaschinen. Sie sind der Grund, warum in Suchergebnissen Öffnungszeiten und Bewertungssterne auftauchen.
Die Einschränkung: Strukturierte Daten ersetzen keinen Inhalt. Wer auszeichnet, dass er ein Installateur in Eferding ist, aber nirgends schreibt, was er macht, hat nichts gewonnen. Die Auszeichnung beschreibt, was dasteht; sie erzeugt es nicht.
Unser Urteil: Sinnvoll, unspektakulär, einmal gemacht. Auf jeder Betriebswebsite gehören Name, Adresse, Telefon, Öffnungszeiten und Leistungen ausgezeichnet. Das ist eine halbe Stunde Arbeit und dann erledigt.
Was nichts bringt: Auszeichnungen für Dinge, die es nicht gibt. Bewertungssterne auszeichnen, die man selbst auf die eigene Seite geschrieben hat, ist ein Verstoß gegen die Richtlinien und fliegt auf.
„Wir bringen Sie auf Platz 1 in ChatGPT”
Das Versprechen: Eine Position in einer Rangliste.
Was dran ist: Nichts. Es gibt keine Rangliste. Eine KI-Antwort ist Text, der bei jeder Frage neu entsteht, mit zwei oder drei Namen darin. Es gibt keinen Platz 1, keinen Platz 2 und keine Position, die man belegen könnte.
Google sagt das über die eigene Suche seit Jahren, und dort gibt es wenigstens eine Ergebnisliste:
Niemand kann eine Platz-1-Platzierung bei Google garantieren.
Für KI-Antworten gilt das erst recht, weil eine Auswahlschicht dazukommt, die noch weniger vorhersehbar ist.
Unser Urteil: Wer das verspricht, hat es entweder nicht verstanden oder hofft, dass Sie es nicht verstehen. Beides ist ein Grund, das Angebot abzulehnen.
„Wir optimieren Ihre Inhalte für KI”
Das Versprechen: Texte, die speziell so geschrieben sind, dass KI-Systeme sie bevorzugen.
Was dran ist: Ein Körnchen. Klare, faktenreiche Texte sind für ein System leichter zu verwerten als Werbeprosa. Ein Absatz, der sagt „Wir sind Installateur in Sankt Martin im Mühlkreis und machen Heizung, Bad und Sanitär im Bezirk Rohrbach”, ist brauchbarer als „Ihr kompetenter Partner für individuelle Lösungen rund ums Wasser”.
Das Problem: Das ist kein Geheimwissen, das ist Schreiben. Wer klar schreibt, was er macht und wo, hat es getan. Dafür braucht es keinen Zauberer und kein Monatspaket.
Unser Urteil: Sinnvoll, aber keine eigene Leistung. Wir machen es nebenbei mit, wenn wir die Website-Angaben in Ordnung bringen.
Versteckte Anweisungen an die KI
Das Versprechen: Text im Quelltext, der KI-Systemen sagt, sie sollen diesen Betrieb empfehlen. Manchmal in weißer Schrift auf weißem Grund, manchmal in einem unsichtbaren Element.
Was dran ist: Das ist Täuschung, und es ist alt. Die gleiche Idee gab es vor zwanzig Jahren mit Keyword-Stuffing.
Unser Urteil: Finger weg. Suchmaschinen erkennen versteckten Text seit Jahrzehnten, und die Strafe ist keine schlechtere Position, sondern der Rauswurf. Dazu kommt: Wer eine Anweisung in seine Seite schreibt, die ein System zu einer Aussage bewegen soll, bewegt sich in Richtung Irreführung.
Massen-Ortsseiten
Das Versprechen: Eine eigene Unterseite für jeden Ort im Einzugsgebiet. „Installateur in Eferding”, „Installateur in Alkoven”, und so weiter, dreißigmal.
Was dran ist: Die Idee stammt aus der Suchmaschinenoptimierung und hat dort auch einmal funktioniert, vor ungefähr fünfzehn Jahren.
Das Problem: Die Seiten sind alle gleich, nur der Ortsname ist getauscht. Suchmaschinen kennen das Muster und werten es ab. Und für ein KI-System, das nach einem Betrieb sucht, ist eine dünne Seite ohne eigene Substanz kein Signal.
Was statt dessen geht: Eine Seite über das Einzugsgebiet, auf der die Orte aufgezählt sind, mit einem Satz dazu, was man dort macht. Eine gute Seite statt dreißig schlechter.
Woran Sie ein unseriöses Angebot erkennen
Fünf Sätze, bei denen man hellhörig werden sollte:
- „Wir garantieren Ihnen eine Platzierung.“ Siehe oben. Es gibt keine.
- „Wir haben eine Sondervereinbarung mit OpenAI.“ Gibt es nicht. Es gibt keine bezahlte Platzierung in KI-Empfehlungen, und wenn es sie gäbe, wäre sie als Werbung gekennzeichnet.
- „Unser Tool weiß, wie der Algorithmus funktioniert.“ Die Anbieter selbst können nicht im Detail sagen, warum ein Modell einen Namen nennt und einen anderen nicht. Ein Werkzeug von außen kann es erst recht nicht.
- „Ergebnisse in 30 Tagen, garantiert.“ Ein Datum für ein Ergebnis, das niemand steuert.
- „Wir besorgen Ihnen Bewertungen.“ Gekaufte Bewertungen sind verboten. Im besten Fall werden sie gelöscht, im schlechteren fliegt Ihr ganzer Eintrag.
Was übrig bleibt
Wenn man alle Abkürzungen wegräumt, bleibt eine kurze Liste, und sie ist langweilig:
- Vollständige, überall gleiche Angaben auf den Plattformen, die in Österreich gelesen werden.
- Echte Bewertungen, laufend, neutral erbeten.
- Klare Fakten auf der eigenen Website, in normalen Sätzen.
- Regelmäßige Pflege, weil Plattformen sich ändern.
- Eine ehrliche Messung, ob es etwas bringt.
Das ist alles. Es ist nicht spektakulär, und es lässt sich nicht als Geheimwissen verkaufen. Aber es ist das, was nach allem, was man belegen kann, wirkt.
Und der letzte Punkt ist der wichtigste. Ohne Messung weiß niemand, ob die Arbeit etwas bringt, und dann kann jeder alles behaupten. Genau deshalb haben wir mit dem Messen angefangen und nicht mit dem Verkaufen.